Das Terminservice- und Versorgungsgesetz, kurz TSGV, verpflichtet ÄrztInnen in Deutschland seit dem 1. September 2019 dazu, wöchentlich 5 offene Sprechstunden – d.h. Sprechstunden ohne vorherige Terminvereinbarung – in ihren Praxen anzubieten.¹ Der Alltag vieler Praxen gibt das aber bislang nur sehr schwer her: die Wartezimmer sind auch mit TerminpatientInnen überfüllt, die Teams überlastet und ÄrztInnen wünschen sich bereits jetzt mehr Zeit für Behandlungen. Nachfolgend beschreiben wir, was genau die offene Sprechstunde ist, welche Arten der Sprechstunden es gibt und wie Sie es trotz voller Praxis schaffen, die offene Sprechstunde sinnvoll und effizient in Ihren Praxisablauf zu integrieren. 

Arten von Sprechstunden und wie sie sich unterscheiden 

In Deutschland gibt es drei Sprechstundenarten für PatientInnen, um einen Arzt aufzusuchen: Die gängigste Form ist bislang die Terminsprechstunde, d. h. PatientInnen vereinbaren online oder telefonisch einen Arzttermin. Durch digitale Services, bspw. die Online-Terminbuchung, können PatientInnen 24/7 online – also auch abseits der Sprechzeiten – Termine für sich oder ihre Angehörigen buchen. Das bietet ihnen maximale Flexibilität und entlastet zugleich Ihr Praxisteam. Bereits jetzt wird jeder 3. Termine online gebucht.² 

Einen absoluten Nachfrageboom, ausgelöst durch die COVID-19 Pandemie, hat im vergangenen Jahr die 2. Sprechstunden-Art, die Videosprechstunde erlebt. Laut einer aktuellen Analyse der Kassenärztlichen Vereinigung konsultierten im 2. Quartal 2020 mehr als 1,2 Millionen Patientinnen ÄrztInnen oder PsychotherapeutInnen per Video – im Vergleich: im gesamten Jahr 2019 gab es deutschlandweit knapp 3.000 Videosprechstunden.³ Die Videosprechstunde stellt eine gute Ergänzung zum Praxisregelbetrieb dar und bietet sowohl PatientInnen als auch Praxisteams eine Zeitersparnis, da die Termine meist effektiver verlaufen. Die digitale Sprechstunde bietet vielfältige Nutzungsmöglichkeiten, u.a. eignet sie sich für 

  • Besprechung von Befunden und Laborauswertungen
  • Besprechung von Heilplänen oder Anpassung von Medikamenten
  • Konsultation, z. B. als Zweitgutachter
  • Beratung zu Vorsorgeuntersuchungen, Impfungen, IGeL, etc.

Die dritte Form, einen Arzt aufzusuchen ist die offene Sprechstunde. Hier legen Sie im Vorfeld einen bestimmten Zeitraum in Ihrer Praxisplanung fest, in dem PatientInnen ohne vorherige Terminvereinbarung oder Anmeldung Ihre Praxis aufsuchen können. 

Offene Sprechstunde – was sie bedeutet und wie sie zum Erfolg wird 

Die Meinungen zu der offenen Sprechstunde gehen auseinander: für PatientInnen kann sie durchaus praktisch sein, um bei akuten Beschwerden kurzfristig einen Arzt/ eine Ärztin aufzusuchen – und das ohne lange Terminabsprachen mit den Praxisteams. Für ÄrztInnen und Praxisteams bedeuten sie häufig zusätzliche Belastung im ohnehin stressigen Praxisalltag. Zudem besteht für Sie das unkalkulierbare Risiko, dass zur offenen Sprechstunde, je nach Fachrichtung, keine PatientInnen erscheinen. Wie also kann die offene Sprechstunden sowohl für Praxisteams als auch PatientInnen Vorteile bieten? 

Zunächst sollte mit einer Testphase gestartet werden. Legen Sie in Ihrer Praxisplanung bewusst Slots fest für die offene Sprechstunde, z. B. an zwei Vormittagen die Woche. So können Sie zunächst einmal sehen, wie viele PatientInnen das Angebot annehmen. Unterstützen kann hierbei das digitale Terminmanagement von Doctolib, Sie hinterlegen im Praxiskalender die Testslots und definieren zudem, für welche Besuchsgründe die PatientInnen zur offenen Sprechstunde kommen können und für welche sie einen Termin zur normalen oder digitalen Sprechstunde buchen sollten. Wichtig hierbei ist eine klare Kommunikation an die PatientInnen, informieren Sie sie also über Ihre Website oder Plattformen wie Doctolib über die Möglichkeit der offenen Sprechstunde und der Online-Terminbuchung. Geben Sie hier genau an, für welche Anliegen die offenen Sprechstunde genutzt werden kann, und für welche Anwendungsfälle es einen Termin bedarf.

Die offene Sprechstunde kann bei der richtigen Planung und Organisation auch in Ihren Praxisalltag, neben der Termin- und Videosprechstunde, sinnvoll integriert werden. Sie steuern so gezielt und effizient Ihren Patientenfluss und sorgen dafür, dass Ihre Praxis optimal ausgelastet ist.

Sie möchten gerne weiterführende Informationen, wie digitale Services Ihren Praxisablauf effizienter gestalten, dann laden Sie sich unseren kostenlosen Praxisratgeber „Digital und automatisiert – Tipps und Empfehlungen für die Patientenkommunikation von heute” herunter. 

Gerne steht Ihnen auch unser Team für ein kostenloses, unverbindliches Beratungsgespräch zur Verfügung – Sie erreichen uns unter 030 22027168 oder online

Ihr Doctolib-Team

Quellen:
1 https://www.bundesgesundheitsministerium.de/terminservice-und-versorgungsgesetz.html
2 Interne, anonymisierte Doctolib-Statistiken (Mai 2019 – April 2020).
3 https://www.kbv.de/html/1150_50419.php