Der Notfallkoffer steht in der Praxis, fertig gepackt für den Bereitschaftsdienst. Doch was ist eigentlich genau drin? Für welche Notfälle ist er da? Sie sind sich selbst manchmal nicht sicher? Und kaufen bei Bedarf einfach im Medizinfachhandel einen Neuen? 

Wir zeigen Ihnen nachfolgend, was in einen Notfallkoffer alles reingehört, in welchen Abständen Sie die Inhalte prüfen sollten und ganz wichtig: wie nicht nur ÄrztInnen, sondern im Notfall auch das Praxispersonal ihn anwenden kann.

Auf diese Inhalte des Notfallkoffers kommt es an! 

Bevor es um die richtige Anwendung des Notfallkoffers geht, ist zunächst wichtig zu klären, was überhaupt in einen Notfallkoffer reingehört. Zuerst ist festzuhalten, dass es keine rechtlichen Vorgaben gibt, was ein Notfallkoffer beinhalten soll, jedoch gibt es eine Reihe an Empfehlungen. 

Der Hausärzteverband empfiehlt beispielsweise für den Notfallkoffer Instrumente und Medikamente für die Basisdiagnostik und -versorgung bei Notfällen (im ärztlichen Bereitschaftsdienst). Am meisten gebraucht werden Analgetika sowie Sedativa zur Behandlung akuter und chronischer Schmerzzustände, akuter Angstzustände, Luftnot sowie deliranter Syndrome. 

Notfallkoffer zu kaufen, die bereits gefüllt sind, kann durchaus Sinn machen. Orientierung beim Kauf bieten Normen, wie etwa DIN 13232, die Empfehlungen zu den Inhalten von Notfallkoffern beinhalten. Stellt man selbst einen Notfallkoffer zusammen, sollten neben den zwingend erforderlichen Inhalten wirklich nur die zusätzlichen Medikamente, technischen Geräte und Instrumente gekauft werden, mit dessen Anwendung Arzt/Ärztin sowie Praxisteam vertraut sind. 

Ebenfalls zu beachten ist die regelmäßige Kontrolle der Inhalte des Koffers. Der Notfallkoffer sollte mindestens einmal im Jahr auf seine Vollständigkeit hin überprüft werden, Medikamente und weitere Inhalte mit Mindesthaltbarkeitsdatum sogar vierteljährlich. Zudem bedarf es eines festen Platzes für den Koffer, damit jede/r Mitarbeiter/in in der Praxis genau weiß, wo sich der Notfallkoffer befindet. 

Hilfe, wie nutzt man den Notfallkoffer?

Notfälle können immer und überall passieren: zuhause, im Freien, unterwegs. Doch Notfälle können auch in der Praxis passieren, auch dann, wenn der Arzt/die Ärztin noch nicht vom Hausbesuch zurück ist. 

Ebenso wichtig wie der richtige Inhalt des Notfallkoffers ist also zudem die richtige Anwendung. Der beste Inhalt verfehlt sein Ziel – im Zweifel ein Menschenleben zu retten – wenn das Praxisteam in der Anwendung nicht ausreichend geschult ist. Nehmen Sie sich regelmäßig – mindestens einmal im Jahr – Zeit, gemeinsam mit dem gesamten Praxisteam Notfallsituationen, die in der Praxis auftreten können, durchzusprechen. Hier können die Notfälle je nach Fachrichtung der Praxis natürlich variieren. Definieren Sie eine Art Checkliste, die den Ablauf während eines Notfalls festhält. Legen Sie dort fest, wer u.a. zuständig ist:

  • den Arzt/ die Ärztin zu informieren,
  • den Rettungsdienst zu rufen,
  • sich um den zu behandelnden Patienten/ die zu behandelnde Patientin zu kümmern,
  • den Notfallkoffer für notwendige Materialien zu beschaffen,
  • die übrigen PatientInnen sowie Angehörigen zu betreuen. 

Investieren Sie in regelmäßigen Abständen in eine Schulung des gesamten Praxisteams, um möglich auftretende Notfälle theoretisch einmal durchzuspielen. Achten Sie bei der Auswahl des Schulungspartners darauf, dass dieser auf Notfalltrainings spezialisiert ist. Die Investition zahlt sich aus, denn so ist das gesamte Praxisteam in der Lage in Notfallsituationen Erste Hilfe zu leisten. 

Sie merken also für die genaue Zusammenstellung eines Notfallkoffers gibt es keine allgemeinen Vorschriften. Halten Sie sich hier jedoch an die Empfehlungen beispielsweise des Hausärzteverabendes oder der Kassenärztlichen Vereinigung. Setzen Sie sich genau mit den Inhalten des Koffers auseinander und nutzen Sie nur die Arzneimittel, Geräte und Instrumente, deren Anwendung Sie auch kennen.